Im Herzen des internationalen Jugendaustauschs liegt ein Paradoxon: Er ist eine inhärent mehrsprachige Aktivität, die oft so operiert, als würde jeder Englisch sprechen. Die meisten Erasmus+-Begegnungen verwenden Englisch als Arbeitssprache — was bedeutet, dass die Teilnehmenden mit den schwächsten Englischkenntnissen die gesamte Veranstaltung kämpfend verbringen, während diejenigen mit den stärksten Englischkenntnissen die Diskussionen dominieren.
Sprache ist nicht nur ein Kommunikationsmittel. Sie ist eine Denkstruktur, ein Kulturbehälter und ein Machtmechanismus. Wenn man alle Teilnehmenden dazu zwingt, in einer Sprache zu operieren, die für manche Muttersprache und für andere Fremdsprache ist, schafft man systematische Benachteiligung.
Wenn man eine Aktivität gestaltet, die Teilnehmende ohne eine gemeinsame Sprache kommunizieren lässt — mit Geste, Bild, Bewegung, Klang — entdeckt man, was interkulturelle Kommunikation wirklich ist: nicht der fließende Austausch von Worten, sondern die kreative Aushandlung von Bedeutung.
Jenseits der ethischen und pädagogischen Dimensionen ist Mehrsprachigkeit ein zunehmend wertvolles Arbeitsmarktgut. Junge Menschen, die in mehreren Sprachen bedeutungsvoll kommunizieren können, werden von Arbeitgebern in allen Sektoren gesucht.