Religion prägt das Leben eines erheblichen Teils junger Menschen — ihre Werte, ihre Praktiken, ihr Gemeinschaftsgefühl. Dennoch behandelt die Jugendarbeit in weiten Teilen Europas Religion als Thema, das sorgfältig vermieden werden sollte: zu sensibel, zu spaltend. Diese Vermeidung ist verständlich. Sie ist auch ein Versagen des Feldes.
Die Vermeidung ist teilweise historisch. Die europäische Jugendarbeit entwickelte sich größtenteils in säkularen politischen Traditionen, die Religion als private Angelegenheit positionierten. Sie ist auch teilweise pragmatisch — Religion kann in gemischten Gruppen Konflikte erzeugen.
Man kann nicht behaupten, interkulturelle Dialogpraxis zu betreiben, wenn man systematisch die Erfahrungsdimension ausschließt, die für viele der jungen Menschen, mit denen man arbeitet, am zentralsten ist. Religiöse Identität ist kulturelle Identität. Die beiden sind nicht trennbar.
Im türkisch-deutschen Kontext, der im Zentrum der Arbeit von YouthTICK steht, fügt Religion dem interkulturellen Dialog eine spezifische Dimension hinzu. Deutsch-türkische junge Menschen navigieren oft die Schnittstelle muslimischer Identität, säkularer europäischer Normen und türkischen Kulturerbes auf höchst individuelle Weise.