Junge Menschen mit Migrationshintergrund — diejenigen, die in einem anderen Land aufgewachsen sind als dem Geburtsland ihrer Eltern — nehmen eine besondere Position in der europäischen Gesellschaft ein. Sie tragen mehrere kulturelle Zugehörigkeiten gleichzeitig.
Die gebräuchlichste Art, Erfahrungen der zweiten Generation zu beschreiben, ist „zwischen zwei Welten" — und das ist sowohl teilweise zutreffend als auch grundlegend irreführend. Es ist irreführend, weil es impliziert, dass die zwei Kulturen diskret, begrenzt und unvereinbar sind.
Der Jugendliche der zweiten Generation ist nicht halb Türke und halb Deutscher. Sie sind etwas Neues — etwas, das vor ihnen nicht existierte. Das ist eine kreative Leistung, kein Defizit.
Das häufigste Versagen der Jugendarbeit mit Jugendlichen der zweiten Generation ist das Defizit-Framing: ihre komplexe kulturelle Position als zu lösendes Problem zu behandeln, anstatt als zu entwickelnde Ressource.
Jugendarbeit, die Jugendlichen der zweiten Generation wirklich dient, schafft Raum für die Komplexität ihrer Erfahrung, anstatt sie zu vereinfachen. Sie stellt offene Fragen darüber, wie sie ihre vielfältigen Zugehörigkeiten erleben. Sie behandelt ihre hybride Identität als Kompetenz — eine echte und wertvolle Form kultureller Intelligenz.