Jede Generation definiert neu, was es bedeutet, Europa anzugehören. Für junge Menschen im Jahr 2025 — die erste Generation, die nie ein Europa ohne gemeinsame Währung kannte, nie ohne Erasmus+ — sind die Antworten nuancierter und interessanter, als es die politische Debatte typischerweise zulässt.
Das Eurobarometer der Europäischen Kommission zeigt konsistent, dass junge Menschen (15–30) höhere Werte europäischer Identität berichten als ältere Altersgruppen. Etwa 70% der jungen Europäer berichten, sich „europäisch" zu fühlen — neben ihrer nationalen Identität, nicht statt ihr.
Der junge Mensch aus einer gut vernetzten städtischen Familie, der einen Erasmus+-Austausch gemacht hat, in drei Ländern gearbeitet hat und Freunde in ganz Europa hat, erlebt europäische Identität ganz anders als der junge Mensch in einer kleinen Stadt ohne Qualifikationen und ohne internationale Verbindungen. Beide sind gleichermaßen europäisch. Die Bedeutung davon unterscheidet sich enorm.
Für junge Menschen in der Türkei — einem Land mit tiefen europäischen Bindungen — trägt die Frage der europäischen Identität besonderes Gewicht. Forschungen zeigen konsistent, dass viele junge Türken sich kulturell mit Europa verbunden fühlen — durch gemeinsame Werte, Bildungserfahrung und Familienverbindungen — während sie sich durch den ins Stocken geratenen Beitrittsprozess von der formellen europäischen Zugehörigkeit ausgeschlossen fühlen.
Jugendaustausche und interkulturelle Programme schaffen einen der wenigen Räume, in denen junge Menschen erkunden können, was europäische Identität für sie in der Praxis bedeutet — nicht als abstraktes Konzept, sondern durch echte Beziehungen und ehrlichen Dialog.